Firmenübersicht

Porzellanmarken

Porzellanfabrik Kahla 1844 bis heute

Christian Jacob Eckhard bat 1814 um das Kahlaer Bürgerrecht. Seit 1826 versuchte er eine Porzellanfabrikation aufzubauen. Am 06. November 1842 stellte er ein Gesuch für eine Konzession beim Altenburger Hof. Er erhielt sie am 18. Mai 1843.

Im Oktober 1844 begann in Kahla die Herstellung von Tassen, Pfeifen und Puppenköpfen aus Porzellan. Die am Fuße der Leuchtenburg gegründete Porzellanfabrik entwickelte sich zu einem bedeutenden Unternehmen. Hier fanden viele Menschen Kahlas und der umliegenden Dörfer Arbeit und Brot.

Friedrich August Koch, ein preußischer Kaufmann, übernahm die Fabrik 1856 durch eine Zwangsvollstreckung.

Fabrik 1880

1859 bekam der neue Besitzer eine Konzession.

Der Sohn, Hermann Koch, übernahm die Fabrik 1872 und wandelte sie 1888 in eine Aktiengesellschaft um.

Auch dank des ansehnlichen Aktienkapitals konnte sich die Firma im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zum bedeutendsten Porzellankonzern Thüringens entwickeln.

Ganz anders die Arbeitsbedingungen:

In den engen Küchen der Porzellanarbeiter mühte sich die ganze Familie, durch Heimarbeit bis zu 4 Stunden täglich, zum Lebensunterhalt beizutragen und den niedrigen Lohn aufzubessern. Der Fabrikant lieferte die Henkelformen und die Porzellanmasse. Nach dem Gießen und Trocknen der Henkel erfolgte das Verputzen. Dadurch kam der gefährliche Massestaub in die Wohnungen. Tuberkolose und Silikose waren die Folge. Kahla besaß die höchste Tuberkolosesterblichkeit in Thüringen.

Mit durchschnittlich 40 Jahren hatten die Kahlaer Porzellanarbeiter die niedrigste Lebenserwartung aller Berufsgruppen. 1898 arbeiteten trotz Verboten noch 223 Kinder nebenbei gewerblich, davon 75 als Henkelmacher.

(Text aus dem Museum Leuchtenburg)

Bis zum Zweiten Weltkrieg war es das bedeutendste Zentrum der feinkeramischen Industrie in Europa. Seinerzeit gehörten klangvolle Namen wie Arzberg, Lorenz Hutschenreuther und die Schönwald AG zum Kahla-Verbund, der bis zu 11.000 Mitarbeiter hatte.

Nach dem 2. Weltkrieg entstand aus der Porzellanfabrik Kahla das Kombinat Feinkeramik Kahla. Zu diesem Kombinat gehörten Werke in Kahla, Könitz, Triptis, Gera-Röschütz, Rudolstadt-Volkstedt, Uhlstädt, Reichenbach, Königsee, Gera-Langenberg, Oberködnitz, Eisenberg, ein Brennmittelhilfswerk in Triptis und Sandgruben in Altendorf und Ilmenau. Der Konzern umfasste insgesamt 17 Betriebe mit rund 18.000 Beschäftigten.

 

Porzellan mit Zwiebelmuster gehörte vor der Wende im Osten zur Bückware. Das Kahlaer Porzellan war auf dem DDR-Markt ein sehr begehrter und rarer Artikel. Das Porzellanwerk konnte die Nachfrage in den DDR-Geschäften nicht befriedigen, denn 51 Prozent der Erzeugnisse des Werkes wurden exportiert und nach dem Brennen erreichten nur ca. 60% der Erzeugnisse die 1. Qualität. Damals arbeiteten 2100 Menschen in dem volkseigenen Kombinat.

Von 1954 bis 1964 nannte es sich VEB Porzellanwerk Kahla, später VEB Porzellankombinat Kahla von 1968 bis 1989.

Mit dem Fall der innerdeutschen Grenze war plötzlich alles ganz anders. Vom gefragten Produzenten avancierte das Porzellanwerk Kahla zum Absturzkandidaten. Schon 1989 wurde das Kombinat Feinkeramik, dessen Stammbetrieb Kahla war, aufgelöst. Die Ostmärkte brachen weg. Zwar privatisierte die Treuhand den Thüringer Porzellanhersteller 1991, die Talfahrt konnte das allerdings nicht aufhalten. Von den 2000 Mitarbeitern blieben 1200 auf der Strecke, 1993 ging der Betrieb in Konkurs.

 

Was blieb, war Kahla-Porzellan mit veralteter Technik und dicken Ostscherben. Die Rettung kam in Gestalt des westdeutschen Managers Günther Raithel und der Thüringer Industriebeteiligungsgesellschaft TIB. Er übernahm 51 Prozent der Firmenanteile und damit die unternehmerische Verantwortung.

Mit den verbleibenden 49 Prozent beteiligte sich die TIB an dem Traditionsbetrieb, der fortan unter dem Namen Kahla/Thüringen Porzellan GmbH firmiert.

Rund 13 Millionen Euro wurden bisher in das Porzellanwerk investiert.

KAHLA hat sich zum größten Porzellanhersteller in Thüringen entwickelt. Das Werk beschäftigt 1997 330 Mitarbeiter. Der Exportanteil beträgt 42 %. 50 Länder werden über internationale Handelspartner mit KAHLA Porzellan beliefert.

Der Erfolg des Porzellanunternehmens am Fuße der Leuchtenburg muss um so höher gewertet werden, weil die Restrukturierung inmitten der schwersten Krise der deutschen Porzellanindustrie bewältigt wurde. Während in anderen Unternehmen der Branche die Umsätze zeitweise um bis zu zwei Drittel gegenüber 1990 schrumpften und bis zur Hälfte des Personals abgebaut wurde, verzeichnete Kahla Jahr für Jahr Zuwachsraten beim Umsatz.

 

 

Ende 1999 ist die TIB als Gesellschafter bei der Kahla/Thüringen Porzellan GmbH ausgestiegen. Die Anteile der TIB wurden vom Geschäftsführenden Gesellschafter, Günther Raithel, und dessen Sohn Holger gekauft, so dass die Traditionsfirma als reines Familienunternehmen ins neue Jahrtausend startete.